Mag. Karina Thür, BSc.

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HypnoBirthing- Geburt T.

Julia Marie, 10.10.2014

Der errechnete Geburtstermin für Julia Marie war der 14. Oktober. Da unsere erste Tochter Maya 9 Tage früher zur Welt kam, waren mein Mann und ich überzeugt davon, dass Julia Marie auch um einiges früher kommen würde. So warteten wir 2 Wochen vor dem Geburtstermin schon jeden Tag darauf, dass die Geburt starten würde. Da am 1. Oktober der Sterbetag von meinem Vater war, am 6. Oktober der Geburtstag meiner Schwester, am 9. Oktober unser Hochzeitstag und am 11. Oktober mein Geburtstag war, hoffte ich sehr stark, dass sie an einem der Tage dazwischen zur Welt kommen würde…jedenfalls wünschte ich mir die Geburt vor meinem Geburtstag, damit ich sie noch mit 38 Jahren auf die Welt brächte…

Da Julia aber nicht 2 Wochen vorher kam und auch nicht eine Woche vorher, stellte ich mich darauf ein, dass sie ja theoretisch auch 2 Wochen später kommen könnte, und ich glaubte nicht mehr an eine Geburt vor dem Termin.

Dann am 8. Oktober verspürte ich jedoch ab 22.00 immer wieder ein Ziehen im Bauch. Ich nahm es zuerst nicht ernst, da ich dachte, dass es einfach wieder Übungswellen wären. Um 2.00 in der Früh wurden die Wellen jedoch regelmäßig und traten alle 5 Minuten auf. Um 4.00 kontaktieren wir die Hebamme, dass wir ins Krankenhaus fahren werden. Jetzt musste jedoch unsere 3jährige Tochter Maya noch versorgt werden. Wir riefen unsere Nachbaren an, und brachten Maya zu ihnen rüber. Durch die Aufregung konnte Maya jedoch über eine Stunde nicht einschlafen. Während ich bei ihr sitzen blieb und sie tröstete, wurden meine Wellen immer schwächer, bis  ich sie nur mehr ganz leicht wahrnahm und somit auch nicht ins Krankenhaus fuhr.

Am nächsten Tag, Donnerstag dem 9. Oktober blieb Christian von der Arbeit zu Hause. Unsere Hebamme forderte uns auf, zu Mittag ins Krankenhaus zu fahren, um zu schauen, was die Wellen bewirkt hätten. Der Muttermund war zu diesem Zeitpunkt 2 cm geöffnet. Am CTG konnten wir feststellen, dass die Wellen sehr leicht, jedoch alle 10 Minuten ziemlich regelmäßig auftraten. Sie meinte, dass sich die Wellen in der kommenden Nacht wahrscheinlich stärker fortsetzten werden, dass es aber auch möglich wäre, dass es doch noch länger dauert. Ich stellte mich zu diesem Zeitpunkt darauf ein, dass es vielleicht noch 3 Tage bis zur „richtigen“ Geburt dauern könnte und organisierte für die kommenden 3 Nächte einen Babysitter für Maya. An diesem Tag brachten wir sie schon am frühen Nachmittag zu den Nachbarn und vereinbarten, dass sie diesmal die ganze Nacht bei ihnen verbringen würde.

Es war unser Hochzeitstag, die Herbstsonne schien und Christian und ich genossen den Tag sehr.  Seit langer Zeit waren wir wiedermal „zu zweit“. Wir verbrachten den Tag mit Spaziergängen in dem nahe gelegenem Wald und in unsere Siedlung. Ungefähr alle 10 Minuten musste ich jedoch stehen bleiben, wenn wieder eine Welle kam. Dazwischen machten wir immer wieder einige der Übungen aus dem Hypnobirthingkurs – Fantasiereisen, Entspannungsmassage, Entspannungsübungen, Affirmationen, Regenbogen-CD etc. Christian kochte Suppe für uns, spielte mit der Gitarre und dazwischen machten wir Schlafpausen, um den Schlafmangel der letzten Nacht aufzuholen. Die Schlafphasen dauerten immer so 5-10 Minuten, da sie immer wieder von den Wellen, unterbrochen wurden. Christian stoppte jedes mal die Zeiten zwischen den Wellen mit. Wenn eine Welle kam, beatmete ich sie so, wie ich es Wochen vorher geübt hatte. Ich nahm die Wellen nicht wirklich schmerzhaft, sondern mehr wie ein Bauchziehen wahr. Mithilfe der Affirmationen hatte ich mich auf eine angenehme, sanfte, leichte Geburt eingestellt. Insgesamt empfand ich auch alles sehr entspannt.

Von 20.00-22.00 kamen die Wellen dann wieder regelmäßig alle 5 Minuten. Wir riefen die Hebamme an und sie riet mir, mich heiß zu duschen und zu beobachten, ob die Wellen stärker würden. So dusche ich mich; mit dem Effekt, dass die Wellen dann wieder seltener kamen, nur mehr ca. nach 20 Minuten. So beschlossen wir dann wieder, noch zu Hause zu bleiben und wieder ein bisschen zu schlafen. Plötzlich gegen Mitternacht wurde ich etwas unruhig und ein paar Augenblicke lang überkam mich ein ungutes Gefühl und eine Angst, was wäre, wenn die Wellen noch 3 Tage dauern würden und ich nicht ausreichend Schlaf bekommen würde. In diesem Augenblick platzte plötzlich die Fruchtblase. Ich rief sofort die Hebamme an und wir beschlossen unmittelbar ins Spital zu fahren. Da es im Auto ziemlich rumpelte, wurden die Wellen häufiger und stärker. Als Christian noch die 30er Zone in der Hilmteichstraße einhielt, wurde ich etwas ungehalten. Als wir in Ragnitz ankamen, schlug Christian vor, mit dem Lift von der Tiefgarage in die Semmelweißklinik in den 1. Stock zu fahren. Ich hatte jedoch Angst, dass ich es aus dem Lift nicht mehr herausschaffen würde, oder er steckenbleiben könnte und entschloss mich so, die beiden Stockwerke noch zu Fuß hinaufzugehen. Da ich jetzt auf allen paar Stufen eine Welle hatte, wurde Christian schon sehr nervös. Die Hebamme kam nach uns die Treppen herauf. Als sie mich sah, meinte, Sie, dass sie schon mal vorgehe, um alles herzurichten. Als wir im 1. Stock ankamen, überkam mich auf dem Weg zum Kreissaal alle 10 Schritte eine Welle, und ich musste immer wieder stehenbleiben. Als mich die Schwester mit dem Rollwagen hineinführen wollte, lehnte ich ab.

Am 10. Oktober um 1.00 Uhr Früh im Kreissaal angekommen, untersuchte mich die Hebamme und rief sofort die Ärztin an mit den Worten:“Muttermund verstrichen, Kind kommt.“ Dann empfahl sie mir, auf das Bett hinaufzusteigen, und mich über die aufgestellte Lehne zu beugen. Sie fragte mich noch zweimal, ob sie die Badewanne einlassen solle, doch ich dachte mir, dass sich das nicht mehr ausgehen könne. Die Wellen kamen jetzt intensiver; für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl tönen zu müssen, doch dann bemerkte ich, dass ich nur die oftmals geübte Geburtsatmung anwenden musste und somit mein Kind hinausatmen konnte. Auch zum Zeitpunkt dieser letzten Wellen empfand ich keine echten Schmerzen, sondern ein intensives Ziehen im Bauch, so wie am Ende der Eröffnungsphase. Ich spürte, wie ich mein Kind mit einigen Wellen hinausatmete. Christian war die ganze Zeit über bei mir und sprach beruhigende Worte. Skurril war, dass mir der Hausarzt der Klinik fünf Minuten vor der Geburt eine Leitung legte. Da das große Licht im Kreissaal nicht funktionierte, nahm ich so nebenbei seine Verzweiflung war, wie schwierig es für ihn sei, unter diesen Umständen die Leitung zu legen…Als schließlich der Kopf geboren war, erschien ganz außer Atem meine Ärztin. Sie meinte, dass sie es bis jetzt noch nie in 12 Minuten in die Klinik geschafft hatte. Um 1.20 Uhr war unsere Julia Marie geboren und ich durfte sie sogleich ganz lange in meinem Arm halten. Christian und ich waren überglücklich.

 

Die Geburt war so, wie ich sie mir gewünscht hatte; sie war angenehm und leicht und im Nachhinein betrachtet war alles trotzdem sehr abenteuerlich. Meine Ängste vor einem Wehenmittel, einem Kaiserschnitt oder einer PDA waren freudigerweise umsonst. Die Zeit im Kreissaal betrug insgesamt nur 20 Minuten. Mit einer Zeitspanne von 27 Stunden Wellen hatte ich zuvor natürlich nicht gerechnet, trotzdem war diese Zeit, die ich gemeinsam mit Christian verbrachte, sehr schön und wertvoll, entspannt, abenteuerlich und intensiv zugleich. Dank der Entspannungsübungen aus dem Hyphnobirthingkurs, für die ich mir ca. 6 Wochen vor der Geburt jeden Tag 1-2 Stunden Zeit nahm, konnte ich meinen immer wiederkehrenden Ängste vor den Geburtsschmerzen gut begegnen und diese immer wieder in eine positive, entspannte Vorfreude auf die Geburt verwandeln. Im Nachhinein betrachtet, freue ich mich sehr darüber und bin auch gleichzeitig sehr stolz darauf, dass es mir gelungen ist, trotz der Ängste, doch immer wieder im Positiven zu bleiben und am Vertrauen in mich, meinen Körper, meinen Kind, meinen Mann und die Welt insgesamt festzuhalten. Und ich bin unendlich dankbar dafür, dass sich diese positive Haltung durch die tatsächliche Geburt von Julia Marie auch wirklich bewahrheitet hat!